»Sein Geist aber wurde erregt, als er die Stadt voller Götzen sah« (Apostelgeschichte 17,16b) – mit diesen Worten beschreibt Lukas, wie Paulus in Athen, einer Stadt, die für ihre religiöse Vielfalt und philosophische Prägung bekannt war, konfrontiert wird. Die meisten Städte, die in der Bibel erwähnt werden, spiegeln eine hohe Dichte menschlicher Verdorbenheit wider, da dort viele Sünder zusammenkommen und jeder sich bemüht, sich einen Namen zu machen (vgl. 1. Mose 11,4).
Doch unterscheiden sich heutige Großstädte grundlegend von jenen der biblischen Zeit? Möglicherweise sind sie sogar schlimmer. Meine Familie und ich leben als einheimische Missionare in Berlin, einer atheistisch geprägten Metropole. Wir erleben täglich die ernüchternde Realität von Verdorbenheit, Götzendienst und Feindseligkeit. Der Weg von unserem Parkplatz zur Gemeinde führt über eine Brücke, unter der Drogenabhängige sitzen, auf der homosexuelle Paare ihre Zuneigung zeigen und Partybesucher versuchen, ihren Rausch auszuschlafen. Städte sind ohne Zweifel Brutstätten der Verdorbenheit – und gleichzeitig fruchtbarer Boden, auf dem das Evangelium besonders hell leuchten kann. Gerade in dunklen, babylonischen Umgebungen ist die Gemeinde herausgefordert, aktiv zu werden und die Wahrheit zu teilen.
Mit dieser Serie möchten wir in fünf Teilen und in Kürze beleuchten, was die Bibel insgesamt über die »Stadt« sagt und wie die Gemeinde heute ein Licht in den »Babylons« der Gegenwart sein kann.
Städte in der Bibel: Wir sind nicht alleine
Die Vielzahl an Bibelstellen zur »Stadt« – über 1.400 Erwähnungen und 345 Städtenamen – macht es unmöglich, jede Stelle in diesem Rahmen zu behandeln. Auch die Betrachtung der bekanntesten Städte würde den Umfang sprengen, wenngleich sie die Kategorien des Alten und Neuen Testaments abdecken würden. Stattdessen werden hier ausgewählte Städte vorgestellt und drei ernüchternde Prinzipien herausgearbeitet, die sich in der Bibel im Hinblick auf die Stadt erkennen lassen.
Die Buchstützen der Bibel: Eden und die himmlische Stadt
Bevor diese Prinzipien in den nächsten Teilen dieser Serie entfaltet werden, lohnt sich ein Blick auf die »Buchstützen« der Bibel – Eden und die himmlische Stadt – als von Gott gestaltete Wohnorte für sein Volk.
Eden
Gottes Absicht war es, von seinen Ebenbildern auf der Erde angebetet zu werden und mit ihnen zu wohnen. Obwohl Eden nicht explizit als Stadt bezeichnet wird, war es doch der zentrale und vollkommene Ausgangspunkt, von dem aus die Menschheit hätte herrschen, sich ausbreiten, Gott anbeten und in Gemeinschaft leben sollen
(1. Mose 26–28; 2,15–25). Timothy Keller spricht davon, dass die himmlische Stadt »der Garten Eden, neu geschaffen« sei.1 Das erste Buchende verweist also auf den vor dem Sündenfall bestehenden Zustand, in dem Gott mit den Menschen im Garten Eden wohnte – eine Entwicklung, die ohne 1. Mose irgendwann zu einer stadtähnlichen Gemeinschaft geführt hätte.
Die himmlische Stadt
Das zweite Buchende ist die himmlische Stadt, auf die jeder Gläubige hofft. In Jerusalem, der Stadt Gottes, werden die Erlösten ohne Sünde in der Gegenwart des Lammes wohnen (Offenbarung 19–21). Beide Buchenden verdeutlichen: »Die Stadt ist zuallererst Gemeinschaft von Menschen, geschaffen von Gott und zusammengeführt, um ihm zu dienen und zu seiner Ehre zu leben.«2 Auch Abraham und die Glaubenshelden hofften auf diese himmlische Stadt (Hebräer 11,13–16). John Bunyan nennt sie die »Celestial City«, in der die wahre Bürgerschaft des Christen verankert ist (Epheser 3,19; Philipper 3,20) und die Motivation bietet, als würdige Fremdlinge zu leben (1. Petrus 2,11–12).
Wenn Gott beabsichtigte, dass Menschen in Harmonie mit ihm und miteinander leben, sind die Städte der gefallenen Welt lediglich ein blasses Spiegelbild seiner ursprünglichen Absicht. Die Erkenntnis, dass Gott die Stadt nutzt, um sein Ziel zu verfolgen – nämlich das Verlangen nach Gemeinschaft und Zugehörigkeit seiner Schöpfung aufzuzeigen – ermutigt Christen, in einer von Sünde geprägten urbanen Welt Salz und Licht zu sein.
Was zwischen diesen Buchenden geschieht, könnte unter dem Begriff »Stadt der Zerstörung« zusammengefasst werden – ein Ort, »an dem der Mensch durch Selbstliebe lebt, selbst bis zur Verachtung Gottes.«3
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1 Tim Keller, “A Theology of Cities,” Cru.Org, n.d., https://www.cru.org/us/en/train-and-grow/leadership-training/ sending-your-team/a-theology-of-cities.html.
2 Floyd McClung, Seeing Cities with the Eyes of God (Tarrytown, N.Y: Chosen Books, 1991), 66.
3 Warren Gage, “The City of God and the Cities of Men,” Ligonier Ministries, 18 March 2006, https://www.ligonier. org/learn/devotionals/city-god-and-cities-men.





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